Welcome at DESY …
Ein physikalisches Praktikum hat was. Man nehme: Ein 8-Quadratmeter-Zimmerchen, 6 trottelige Studenten, einen neurotischen Assistenten und platziere das Ganze in der ekstatischen Halle des Instituts für Laserphysik (dort atmet man - auch wenn man es eigentlich nicht glauben könnte - auch Luft).
Offensichtlich sind wir der Nietenkurs. Jeder, der bei uns ausholt, um die dusseligen Pendel auszulenken (völlig abgewichst), die dusseligen Kupferblöcke aufzuheizen (man stelle sich den Versuch nur VOR: Man nehme einen haufen Papierschichten unterschiedlicher Dicke, führe eine Regression jeweils durch und zum krönenden Abschluss eine Regression der Regression, wegen weil is ja genauer, ne??), dusselige Reichweiten von alpha-Teilchen zu bestimmen oder sich einen Hörsturz bei dem Versuch mit den Schallwellen zu holen, hat auf irgendeine Art und Weise in der Experimentalphysik versagt. Jedenfalls ist es für uns alle nicht der erste Versuch, diesen Schwachsinn durchzustehen.
Aber es IST auch lustig… hier das Best-of der ersten zwei Tage:
Assistent: “Ach, das ist doch echt Scheiße, was du da erzählst!”
Zaghaftes Kontaktsuchen der Kommilitonen: “Wisst ihr, wo die Physik-1-Klausurergebnisse sind?”
Hase: “Nö. Woher soll ich denn das wissen?”
“Seit ihr ausm Sommersemester?” Hä???
Und unsere Ostblockstudenten sind auch da. Sergej aus irgendwoher möchte aus lauter Eifer noch eine zusätzliche Holzprobe analysieren, die in Hases Versuchskasten liegt. Hase hat gleich beschlossen, das sein zu lassen, ist ja nur mehr Arbeit..
Ostblock: “Ich benutzen Block?” (will heißen, er will den Block haben)
Hase: “Ja, ich ja bestimmt nich, ne?”
Hase hat den schlimmen elektromagnetischen Schwingkreis irgendwie falsch aufgebaut.
Assistent: “Ja, du hast hier ja auch das falsch rum reingesteckt… Ist doch scheiße, wenn du das richtige Loch nich findest!” (grinst anzüglich) Ah ja. Danke.
Assistent: “Was machen wir mit dem Oszi (wie ss gesprochen und meint das Oszilloskop), wenns nich klappt?”
Hase: “Nach Hause schicken!”
Assistent: “Genau.”
Naja. Der Tag erreicht auf alle Fälle seinen Höhepunkt, wenn die Uhr 13:00 anzeigt. Trogzeit. Karavanenartig wie die Lemminge stolpern Professoren, Doktoren und Studenten aus den verschiedensten Gebäuden und quälen sich ans Ende der Anlage, wo großspurig die “Mensa” liegt. Der Fresstempel besitzt zwei Gesichter: Eine Schlange tümmelt sich bei den Gourmetspeisen (Leute im Anzug und die Ausländer) und eine bei der Frittenbude (gibt Pommes mit wahlweise Curry-Wurst, Schnitzel oder Frikadelle, aber alles mit Currysauce, ein kulinarischer Glanzpunkt). Gestern war Tuffi hinterm Tresen. Dönertuffi, um genau zu sein. Zunächst bemerke ich fassungslos, dass sich der ehrenwerte Prof. Dr. Zimmerer, der sich bei mir damals durch die Physik-2-Vorlesung so hingebungsvoll von einer Folie zu anderen gequält hat, sich doch tatsächlich eine Currywurst reinziehen will.
Naja. Als nächstes beugt sich Tuffi vertraulich über den fettigen Tresen und lässt seinen Mundwinkeln die Frage entfallen, was ich denn “geiles” haben möchte. Bevor mir vor Schreck das Tablett runterfällt, entscheide ich mich auch für das Professorengericht (Currywurst-Pommes-Rot-weiß). Tuffi flattert zum Grill und zaubert mir einen Teller vor die Nase. “Da haste mal was dickes, langes!” vertraut er mir an und ich hoffe in jedem Moment, im Erdboden zu versinken.
Man sucht sich ein lauschiges Plätzchen in dem sparkig-grün gehaltenen Speisesaal. Es sind alle da. Alle. Fast vergesse ich vor Aufregung, das Ding auf meinem Teller zu begutachten. Da isser doch, der großartige Prof Dr G.H. Und seine Brille ist immer noch schief. Die Hose auch die gleiche. Hat er noch die Kreideflecken von vor zwei Jahren auf dem Hintern? Hm… Der Gute bestach schon immer durch raffinierte Alltagstauglichkeit. Beim Gang zum “Tablettablageplatz” und Ausgangsstätte für diejenigen, die seine Vorlesung damals nicht verstanden haben (heute Küchenmagd genannt) verfängt sich sein graziler Stampfer doch glatt hinter einem Stuhlbein und seine Herrlichkeit landet mit einem Plumps auf dem Boden. Wie ein gestrandeter Wal liegt er auf dem blitzenden Parkettfussboden. Aber immerhin, seine Brille (2,50 EUR beim Sparmarkt umme Ecke) sitzt immer noch schief auf der Nase. Wenigstens was. Meine Augen gleiten weiter. Ach ja. Da sitzt auch schon der Oberguru. Wie immer hat er die pissgelbe Cordhose an. Seines Zeichens ist er unser Departmentleiter. Ich unterdrücke ein hysterisches Lachen, wenn ich an seine Vorlesung zur Elementarteilchenphysik zurückdenke und mir die Episode mit dem Overheadprojektor wieder einfällt…
“Ähm, das Licht vom Projektor ist fast aus. Wir sehen nix mehr!”
Prof: “Und was soll ich jetzt machen?”
“Vielleicht den daneben benutzen?”
Prof: “Ja, also ich zieh dann mal um. Und Sie rücken einfach auf die linke Seite des Hörsaals…” (der Projektor steht ungefähr anderthalb Meter neben ihm)
Prof: “Ja… ähem… wie… eh… also wie schließe ich das denn jetzt an?”
Für Notfälle, oder wenn der Assistent nicht gerade da ist, gibt es eine Klingel. Der schusselige Assistent ist aber da, schließlich torkelte er noch vor fünf Minuten durch den Saal und riss einen schmutzigen Witz. Aber Herr Professor klingelt. Dreimal hintereinander.
Prof: “Hallo… Sie… machen Sie mal hier… dieses Projektionsgerät (!) ist defekt… ähm…”
Drückt auf dem Einschaltknopf rum, nix passiert (kein Wunder, das Ding ist ja auch nicht angeschlossen)
Assistent: “Sie müssen jetzt nur den Stecker reinstecken und dann gehts!”
Prof: “Ja dann bringen Sie mal ne Verlängerungsschnur…”
Assistent: “Die Steckdose ist zu Ihren Füßen, Professor!”
Prof (ungehalten): “Ja meinen Sie denn, ich bin für diesen Kram zuständig? Ich bin Professor! Also holen Sie jetzt eine Verlängerungsschnur!”
Assistent: “Ich hab keine..”
Prof: “Wofür werden Sie eigentlich bezahlt, Mann?”
Assistent bückt sich, steckt den Stecker rein und geht wieder.
Prof: “Na sehen Sie, geht ja doch… der Mann hat auch keine Ahnung….”
Achja. Seine Hohheit spricht gerade wild gestikulierend mit einem aus dem Technologiewunderland. Japaner sind immer gerne gesehen. Die essen immer das Gourmetgericht.
Prof: “Yes, and then i only can say: Welcome at Däisi! … Äh, well… Ges.. -” (zum Diplomanden): “Was heißt noch mal gestern auf Englisch??”
Naja. Aber nun sollte ich vielleicht mal… ach ja, das wars wieder… Praktikumsprotokolle schreiben…
am 13. März 2007 um 21:42 Uhr.
Ha ich dachte schon Sie hätten Ihren Blog aufgegeben. Da haben Sie sich diesesmal aber wirklich viel Mühe gegeben. Ein paar “Storys aus der Nietenbude” wären mal auch wieder mal was ;-).
LG
Hauke
P.S. Die Aufgaben die Sie mir gegeben haben waren und sind immernoch der LETZTE Dreck!!! Da müssen Sie morgen mal wieder ein wenig helfen^^ Bis morgen dann!
Ahoi